ICH WOLLTE IMMER IN MEINEM LEBEN AUSBRECHEN.

DRUCK UND AUTORITÄT EMPFAND ICH ALS FEINDE.

MEINE ERZIEHER UND FREUNDE WAREN BÜCHER.

MIT DER MELANCHOLIE KONNTE ICH ENTSCHWEBEN,

KEIN TRAUM OHNE EINSAMKEIT.

Rezensionen

«Die Abartigen»

041-Das Kulturmagazin, Luzern, Maiheft 2016

 

Erich Hirtler strebt mit «Die Abartigen» «eine Art Nachzeitroman» an. Zwei Erzählungen - die erste im Jahr 1992, die zweite im Jahr 2030 angesiedelt - handeln von Aussenseitern in einer immer uniformeren Welt. Die Vergangenheit gelingt Hirtler dabei besser als die Zukunft.

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Wie in «1992 - Aufrisse» drängt die Aussenweltnauf die Zerstörung des abnormalen Raumes. Die Flucht gelingt zunächst. Bis es keine Flucht mehr gibt.

PATRICK HEGGLIN

 

«Unrasiertes Ungemach. Sammelsurium 1987-1998»

Neue Luzerner Zeitung, 24. Februar 2016

 

Erich Hirtlers neues Buch  «Unrasiertes Ungemach» enthält eine grandiose Erzählung und viele Kurztexte.

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Der erste Text dieses Bandes ist auch der längste und gleichzeitig ein Höhepunkt in Hirtlers bisherigem Schreiben überhaupt. Der 1998 entstandene Text «Der Besuch» zieht einen rein. Man folgt einem mysteriösen Sog, so lapidar die Geschichte bisweilen erzählt wird.

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Hirtler baut in der Erzählung eine unheimliche Atmosphäre auf, in der Abgründe und Zwänge aufscheinen, Misstrauen lauert und latente Gewaltbereitschaft jederzeit alles zerstören kann. Die herkömmliche Moral bleibt auf der Strecke. «Böse, das gibt es eigentlich so nicht. Böse, das heisst nichts anderes, als unbeirrt einen Weg gehen ... Wirklich böse sind die Zerschmetterer des freien Willens», sagt der Ich-Erzähler.

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Eine Überraschung bilden die Gedichte, die unter dem Titel «Flugblätter» den zweiten Höhepunkt des Buches bilden. Von knappen Sprachmomenten bis zu oft skurrilen Gedichten reicht die Palette dieser Arbeiten aus dem Jahr 1988. «Ein Stern fiel / In mein Bett / Ein Spreizfuss / Und Glück ohne Mass / Dann strich sie ihr Kleid / Ich glitt in die Falten zurück.»

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Erich Hirtler, der in Hergiswil und im Jura lebt und arbeitet, ist ein so produktiver wie talentierter Schriftsteller, der Ideen hat und auch die nötige Beharrlichkeit.

PIRMIN BOSSART

 

041-Das Kulturmagazin, Luzern, Juli-Augustheft 2015

 

Er ist einer der interessanten Autoren der Zentralschweiz: Erich Hirtler. In seinem neuen Werk «Unrasiertes Ungemach» räumt er auf. Weniger mehr mit Politik und Gesellschaft als in seiner eigenen Schublade. Das Ungemach kommt als Sammlung älterer Texte. Man liest sie gerne. 

 

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Der in Vevey geborene Autor, der einst Journalist war, ein Beruf den er bald verabscheute, «weil man gehindert wird, ihn redlich auszuüben», gibt sich nicht mit Untiefen zufrieden.

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Bei der Überarbeitung wurden vor allem die drastischen Szenen ausgebaut. Wie in der eröffnenden Erzählung «Der Besuch» (1998) wo ein Brüderpaar auf einem abgelegenen Hof über dem Dorf Schluns Abscheuliches tut. (...) Es spricht eine existentielle Grausamkeit aus den Zeilen. «Wir sind Christen. Gute Christen.» Die Gedichte («Flugblätter», 1988) sind kurz, knapp und grandios. «Gedichte sind Wölklein / Die sich zusammenballen / Und wieder verdunsten [...] Wer versteht die Buchstaben?»

PABLO HALLER

 

«Aus der Versenkung. Zwei Berichte»

Zentralschweiz am Sonntag, Kultur, 7.12.2014

 

Das neue Buch des Autors Erich Hirtler setzt sich mit Südamerika auseinander: eine erhellende Annäherung aus zwei Perspektiven.

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Die beiden Protagonisten können als Alter Egos der gleichen Person gelesen werden, mit je eigenen Befindlichkeiten: Hier ist das Ich radikal auf sich selber und seine Obsessionen fixiert, dort wird es zum Beobachter und Übersetzer des Wahrgenommenen.

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Das Spannende an Hirtlers Konzept ist, dass er mit dem Aufsplitten des Stoffs auch seine Wahrnehmungsweise untersucht und darlegt: einmal als monologische Innenschau, einmal als quasi konventionellen Reisebericht.

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Die Sprache in diesem Buch hat Drive, man wird hineingezogen, auch wenn nicht sofort alles durchschaubar ist. Hirtler spielt ebenso mit Rätselhaftem, wie er manchmal überzeichnet. Das nährt diese eigenartige Spirale - bis hin zu einem lichten Ende. Ein kleines Meisterstück.

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Wie schon in den ersten drei Büchern schreibt Hirtler aus einer spürbaren Betroffenheit heraus, einem inneren Feuer, einer Art schonungsloser Ehrlichkeit sich und seinem Selbstverständnis als Autor gegenüber. Im vorliegenden Band ist ihm das so gut wie noch nie gelungen, weil er dem Hadern über die Verhältnisse immer auch Selbstreflektives und Relativierendes entgegenhält. Die Sprache ist kompakt und rollt flüssig, sie hält einen dran.

PIRMIN BOSSART

 

041-Das Kulturmagazin, Luzern, Dezemberheft 2014

 

Der erste Part «Der Zehnte. Feigls Feuerland» ist fiebrig, lebt von kurzen, prägnanten Sätzen, die ein atemloses Tempo vorgeben. Der innere Monolog pendelt zwischen hyperreal und total verzerrt.

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«Da auch eigene Erlebnisse und meine Erfahrung mit Lateinamerika verarbeitet sind, ist es ein semifiktionales oder semidokumentarisches Buch und damit auch eine Art Vexierspiel, es sind quasi Spiegelungen von mir in verschiedenen Personen. Die Aufteilung in zwei Berichte erlaubte mir zudem die Reiseerfahrung von zwei verschiedenen Seiten her anzugehen», erklärt Erich Hirtler.

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Geht es im ersten Teil um eine aufs Individuum und seine Befindlichkeit heruntergebrochene Situation, ist der zweite vordergründig ein Reisebericht, reflektierter: Zunehmend schälen sich drei Hauptelemente heraus: die Verwirrung, Zeichen nicht deuten zu können in der fremden Kultur, die durch Geschichte und Gegenwart paralysierten Einheimischen sowie die Dominanz der USA.

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«Aus der Versenkung» ist ein vorläufiger Höhepunkt in Erich Hirtlers literarischem Schaffen. Den Drive, den Wahn des ersten Teils macht ihm so leicht keiner nach. Das Wissen, der Reflexionsgrad im zweiten Teil beeindrucken. Bleibt zu hoffen, dass er gelesen wird.
PABLO HALLER

 

Urner Wochenblatt, Kultur, 31.1.2015

 

Der erste Bericht «Der Zehnte. Feigls Feuerland» ist eine atemlos geschriebene Geschichte. Die Sätze hetzen einander. Es ist eine Geschichte voller Existenzangst. Im fremden Land ist der Pass weg. Das Geld ist weg. Sehr wahrscheinlich ist alles gestohlen worden. Und Feigl, die Hauptfigur, ist bereit, alles zu tun, um wieder zu Pass und Geld zu kommen. Er ist sogar bereit, ein Verbrechen vorzubereiten.
OTTO ODERMATT

 

«Die mittlere Freiheit. Notizen aus der Syphilisation»

Neue Luzerner Zeitung, Kultur,  24.1.2011

 

«Ich schreibe über das, was ich kenne, was mich erregt, woran ich leide», sagte Erich Hirtler Ende Jahr an seiner Buch-Vernissage in der Hirschmatt-Buchhandlung Luzern. Was er kennt:Journalismus, Redaktionen, Beschäftigungsprogramme. Was ihn erregt: Alkohol und Frauen. Woran er leidet: am «zwanghaften Arbeitsethos» und am «fein regulierten Wahnsinn» in unserer Gesellschaft. Hirtler beschreibt die Deutschschweiz als «Zivilisationskerker», als eine «stille, saubere Hölle».

(...)

Man muss diese Sicht nicht teilen, aber darf getrost auch mal zur Kenntnis nehmen, dass sich hierzulande nicht alle dem allgemeinen Leistungsdiktat unterordnen wollen. Ritschi Telli, Hauptprotagonist in Hirtlers neuem Roman, ist ein solcher Typ. Er hat genug davon, als arbeitsloser Journalist jeden Monat Hunderte von Bewerbungen zu schreiben, sich von pseudokompetenten Beratern sein Leben diktieren zu lassen und sonst wie mit aufgesetzter Fröhlichkeit herumstrampeln zu müssen.

(...)

Man spürt es beim Lesen: «Die mittlere Freiheit. Notizen aus der Syphilisation» ist ein Buch, das rausmusste. Da hat sich einer die Pein von der Seele geschrieben, gefangen von den Zwängen des ökonomischen Diktats und den eigenen Unzulänglichkeiten. (...) Hirtler schreibt flüssig und prägnant, mit knappen Dialogen und direkten Sätzen. Die Sprache ist nüchtern, und sie hat Zug. Man liest sich mühelos voran, will wissen, wie es weitergeht. Immer wieder sind da Sätze oder Gedanken, die sehr genau treffen. Andernorts entblösst ein lakonischer Schuss Ironie die Absurdität einer Situation.

(...)

Mit diesem, seinem bisher besten Buch hat Erich Hirtler seine «Luzerner Trilogie» abgeschlossen, man könnte auch sagen: sein Leiden an der hiesigen Gesellschaft ausgeschwitzt.

PIRMIN BOSSART

 

Das Kulturmagazin, Luzern, Januarheft 2011

 

Schon wie es beginnt: Seinem jüngsten Werk «Die mittlere Freiheit», Untertitel: «Notizen aus der Syphilisation» hat Erich Hirtler einen Auschnitt aus Corzio Malapartes erst 2007, exakt fünf Dekaden nach seinem Tod erschienenen Werk «Zwischen Erdbeben» vorangestellt. «Die Schweiz ... ist die Heimat, die wahre Heimat der modernen Angst», heisst es da.

(...)

Der Aufbau hat System, wie der Autor erklärt. «Während im ersten Roman der Trilogie noch vor allem die Handlung im Zentrum stand, legte ich hier den Fokus vermehrt auch auf die Charakterisierung der Figuren. Das Grübeln über die Gesamtsituation konnte ich in Ritschis Aufzeichnungen unterbringen.» Was an diesem sehr real gelungen Portrait des Lebens in unserer «frustrierenden Alpendemokratie» (Peter Coneway, ehemaliger amerikanischer Botschafter in der Schweiz) mit meist sackstarken Dialogen etwas irritiert, ist die Wucht der Frustration, die einem Seite um Seite entgegenschlägt. Der Autor scheint mit diesem Land fertig zu sein.

IVAN SCHNYDER

 

Interview in der ONZ, 22.10.2010

 

Der Autor gibt immer auch etwas von seinem Leben preis. Die Hauptperson ist Journalist, wie Sie es waren. Er schreibt, wie auch Sie schreiben.

 

Natürlich gebe ich etwas von mir preis, ich lege mich hinein, ich kenne das, worüber ich schreibe. Es ist der Konflikt einer Person, die sich treu bleiben will, aber mit dem Schein und der Technokratie kollidiert. Der Journalismus und die Arbeitslosigkeit sind sehr geeignet, um die Konflikte einer authentischen Figur mit dem Gesellschaftssystem aufzuzeigen. Der Stoff,nicht die Handlung, ist aber so ziemlich das einzige Autobiografische daran.

(...)

Das «unum, bonum, verum», das «Eine, Gute, Wahre», war für die alten Philosophen der einzig mögliche Kompass,

nach dem die Menschheit sich beim Suchen ihres Weges durch die Jahrhunderte richten konnte. Ritschis Kompass heisst: vom Staat möglichst viel Geld bekommen, wenn möglich eine Rente, das Geld versaufen und als Drittes Frauen verführen.

 

Ritschi ist eine Gegenfigur zu den Anforderungen in einer marktorientierten, lebensfeindlichen Leistungsgesellschaft. Er lebt sein Leben, nicht als Rebell, sondern weil ihm das entspricht. Er zieht das durch, lässt sich nicht beugen. Er macht, ständig reflektierend, eine Entwicklung durch und vermag schliesslich auf staatliche Unterstützung zu verzichten. Darum ist er eine starke Figur. Das Buch soll auch etwas bewegen und nicht Gängiges bestätigen. Was er lebt, leben auch andere, vielleicht aber mit Doppelmoral, viele wünschen sich dies insgeheim. Die Ambivalenz der Leute und der Gesellschaft interessieren mich.

(...)

Und doch lebt Ritschi bis fast zuletzt von der «marktorientierten, lebensfeindlichen Gesellschaft». Ist dies eine starke Figur, die sich mit von der Leistungsgesellschaft subventioniertem Saufen durchs Leben schlägt? Was bedeutet für ihn Leben?

 

Das Leben bedeutet für Ritschi, sich nicht verdrehen zu lassen und, wie Sie so schön gesagt haben, nach seinem Kompass zu leben. Wer auf sein Inneres hören kann, sich frei macht, kommt zu seiner eigenen Lösung. Das scheint auch für mich der Sinn des Lebens, sich das Leben so einzurichten, dass es für einen selber stimmt, dann kann man auch mehr von sich selber geben. Es gibt halt verschiedene Wege, glücklich zu sein. Trotz allen Widerwärtigkeiten ist Ritschi ein glücklicher Mensch, er verrät sich selber nicht. Dass er zwischendurch und etwas mehr als der Normalbürger trinkt, hat damit zu tun, dass er nur ein Mensch ist und Abstand braucht. Er lebt nicht vom Trinken, er will sich nicht kaputt machen, sondern etwas aus sich heraus erreichen.

INTERVIEW OTTO ODERMATT

 

Das kriegen wir hin! Ein Schweizer Alptraum»

Neue Luzerner Zeitung, 20.4.2010

 

120 Seiten, ein kleines Buch. Es liest sich schnell und rund, über weite Strecken auch dramatischer als man die Ereignisse in Erinnerung hat. Schliesslich ist der Fall längst ad acta gelegt. Protagonist Nyffenegger alias Bühlmann wurde bei der Gesamterneuerungswahl 2007 des Regierungsrates nicht mehr gewählt, die Aufregung hielt sich in Grenzen, und eventuell Geschädigte und Betroffene haben sich längst wieder anderweitig eingerichtet. Handkehrum: Die Geschichte war auch schäbig. Daran erinnert das Buch.

(...)

Erich Hirtler (52) arbeitete als Redaktor bei einer Lokalzeitung, als vor fünf Jahren vertrauliche Unterlagen auftauchten, die den Gemeinderat von Emmen belasteten. Dem Bruder des damaligen Gemeinderatsmitglieds Daniel Bühlmann wurde auf Geheiss des Gemeinderates Emmen ein Steuergeschenk in der Höhe von 350.000 Franken gewährt, nachdem sich auch schon der Kanton als grosszügig erwiesen hatte. Daniel Bühlmann war beim Entscheid  im Ausstand, die Bewilligung war dennoch so grenzwertig, dass der Regierungsrat wegen des politischen Risikos auf eine Anzeige verzichtete.

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Die Schreibe ist knapp und griffig und bewusst in Richtung Trivialliteratur stilisiert. Ein Stück Agglokrimi mit karikiert zugespitzten Figuren, einem detektivischen Plot, grellen Ausleuchtungen der Polit- und Filzverhältnisse und den Irrungen und Wirrungen des Journalisten-Ermittlers Lucky Springer.

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Trotzdem: Der Fall stehe für viele andere, die sich ereignet haben und wieder ereignen werden. „Der Roman ist daher eine Parabel über die politische Funktion der Medien.“

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Man darf immer wieder über pointierte Charakterisierungen schmunzeln. Das geht von Zeitungs- und Verlagsmenschen bis zu Parteivertretern und andern Funktionären.

PIRMIN BOSSART

 

Das Kulturmagazin, Luzern, Septemberheft 2009

 

Verfilzt und zugenäht

 

Viele haben ihm abgeraten, dort hinzugehen. Doch der Journalist Lucky Springer geht trotzdem. Allein: Idealismus reicht nicht, um einen Politskandal aufzudecken oder gar zu verhindern. Da ist ein Gemeinderat, der einen Einwohner steuerlich begünstigt. Und ein Kanton, der dies rückgängig machen will. Der Begünstigte ist der Bruder eines Gemeinderates und der wiederum selbst Regierungsratskandidat. Der Fall spielt in M. einer Provinzgemeinde nördlich von Z. Doch M. könnte auch E. sein und Z. wäre dann L.

Der Fall im Buch «Das kriegen wir hin! Ein Schweizer Alptraum» des Luzerner Journalisten Erich Hirtler ist angeregt durch einen realen Korruptionsfall in der Provinz, wie er schreibt, doch die Handlung sei frei erfunden und die Ähnlichkeit mit lebenden Personen rein zufällig. «Ich habe dieses Thema gewählt, weil ich Schwachstellen in Politik und Medien aufzeigen wollte», sagt Hirtler.

Lucky Springer, Ich-Erzähler und gewissenhafter Journalist, macht es sich zur Aufgabe, den «Politwirtschaftsfilz» zu durchleuchten und den Skandal aufzudecken. Doch weit kommt er nicht. Für seine Zeitung ist er zu neugierig und für die «Hasspartei» zu aufdringlich, worauf er schliesslich selber zum Ermittler wird und in ständiger Angst lebt. Da hilft ihm auch sein Whisky nicht weiter.

Mutig ist er, doch erfolglos. Lucky Springer scheitert als Journalist und Detektiv und erweist sich in der eingeflochtenen Liebesgeschichte als zahnloser Tiger. Der Gemeinderat wird schliesslich doch Regierungsrat und das Strafverfahren eingestellt. Wo war das nochmal? In M. oder in E.?

MANUEL HUBER

 

Blick am Abend, 12.  August  2011

 

Mit Erich Hirtler schreibt ein weiterer Luzerner Kriminelles. Sein Buch «Das kriegen wir hin!» basiert auf einer Luzerner Korruptionsaffäre, die viel Staub aufgewirbelt hatte. Die Krimis von Hirtler und Portmann sind gut bestückt mit Lokalkolorit: Sei es das Industriegebiet in Emmenbrücke, die verruchte Baselstrasse oder die pittoreske Altstadt: Schauplätze für spannende Krimis gibt es in der Region Luzern viele.

CHRISTINE WEBER

 

«Reise durch die Gebärmutter und die Wüste. Katholisches Roulette»

Das Kulturmagazin, Luzern, Aprilheft 2010

 

Fazit des Sprachmeisters

 

Prägung als Schicksal, Fantasie als Flucht. So könnte das Fazit aus Sprachmeister Hirtlers Texten lauten. Wir scheinen stets Opfer zu sein: Zwischen trügerischer Fantasie und falscher Geborgenheit schwankend, die Bürde der Herkunft und das bittere Erbe der Kindheit tragend, in die Fesseln der Triebe geschlagen und mit der Krux der Angepassten beschwert, scheint unser Leben nicht das eigene zu sein. Das Dilemma zwischen «Mutterrind» und «Kindfrau», zwischen Gott und Teufel lässt uns nicht los. Wehe uns, wehe den Autoritäten! Hirtler deutet in metaphorisch aufgeladener, assoziativer Sprache an, dass uns nur die Fanatasie zu befreien vermag. Ein starkes Stück Literatur, das sich erst durch mehrfaches Lesen entschlüsselt. 

FRED DOLP-BUCHER