ICH WOLLTE IMMER IN MEINEM LEBEN AUSBRECHEN.

DRUCK UND AUTORITÄT EMPFAND ICH ALS FEINDE.

MEINE ERZIEHER UND FREUNDE WAREN BÜCHER.

MIT DER MELANCHOLIE KONNTE ICH ENTSCHWEBEN,

KEIN TRAUM OHNE EINSAMKEIT.

Aus der Versenkung

Zwei Berichte

Es handelt sich um ein zweiteiliges, nicht konventionelles Reisebuch, das auch speziell und unkonventionell gestaltet ist (Luca Schenardi, Bilder und Umschlag, Hi Visuelle Gestaltung, Carla Crameri, Layout und Satz). Ort des Geschehens: Lateinamerika.

Die Erzähler der beiden in der Anlage verschiedenen Berichte («Der Zehnte. Feigls Feuerland» und «Esta Casa se vende. Ein anderer Tango») sind zwei Alter Egos zueinander und auch von mir. Trotzdem fallen ihre Berichte ganz verschieden aus, die Perspektive ist jeweils eine andere.

Die beiden Erzähler kennen einander, der des zweiten Berichts nimmt auf Feigl, den Protagonisten des ersten, Bezug. Es gibt auch andere Überschneidungen. Der zweite Ich-Erzähler bleibt bewusst anonym, da das «Sezieren» und Ordnen von Fakten im Vordergrund steht. Anhaltspunkte zu seiner Person scheinen sporadisch bei seinen Stellungnahmen durch.

Insofern unter anderem eigene Erlebnisse und meine Erfahrung mit Lateinamerika verarbeitet sind, ist es ein «semifiktionales» oder «semidokumentarisches» Buch und damit auch eine Art Vexierspiel, es sind quasi Spiegelungen meiner selbst in verschiedenen Personen.

Die Aufteilung in zwei Berichte erlaubte mir zudem die Reiseerfahrung von zwei verschiedenen Seiten her anzugehen.

 

Der erste Bericht, «Der Zehnte. Feigls Feuerland», ist der bandwurmartige Monolog Feigls, der sich zwischen Wirklichkeit und Wahn bewegt. Es ist ein Psychodrama in der Ausgesetztheit als Fremder und unter den speziellen Bedingungen in Lateinamerika. Feigl, der sich nicht besonders unter Kontrolle hat, gewahrt, dass ihm alle Dokumente abhanden kamen, ob gestohlen, verlegt oder liegenlassen, er kann es nicht definitiv entscheiden. Deshalb und auch wegen seiner Neigungen zögert er, die Botschaft und die Polizei aufzusuchen, er sucht andere Auswege. Das ganze Geschehen spielt sich in Ciudad del Este ab, im dubiosen Dreiländereck Paraguay, Brasilien, Argentinien.

Feigl ist wie ein Gefangener. Aus seinem Spiel mit dem Leben ist plötzlich Ernst geworden. Es passiert ihm genau das, was man auf Reisen unbedingt vermeiden will. In dieser Grenzsituation überkommt ihn der Wahnsinn, er sieht sich als Spielball von anderen, selbst wohlige Erinnerungen verkehren sich in etwas Beängstigendes, er beginnt alles zu fürchten und findet keinen Halt mehr. Er muss etwas unternehmen und lässt sich auf etwas Ungewöhnliches ein. Der Schluss bleibt offen. Seine Wahrnehmung ist oft übersteigert und fast traumartig verzerrt.

 

Dagegen erscheint der zweite Teil rein formal als konventioneller Reisebericht, stilistisch und inhaltlich ist er es nicht. Geht es in der ersten Erzählung mehr um die Verfassung des Ich-Erzählers in einem fremden Erdteil, so stehen hier vor allem die Anschauung und die Folgerungen des Ich-Erzählers im Vordergrund, wobei der Bericht mit den im Verlauf der Reise angehäuften Erfahrungen auf eine Klimax zusteuert. Zunehmend stellen sich drei Hauptelemente heraus: das Labyrinthartige der fremden Kultur, die Dominanz des Großen Bruders USA, die durch die Geschichte in ihren Erwartungen paralysierten Einheimischen. Der Erzähler wird überall als Gringo wahrgenommen und ist dadurch verstärkt auf sich und die Reflexion zurückgeworfen. Formal folgt der Bericht der Chronologie der Reise, die Episoden, Beschreibungen und Feststellungen bilden aber wie in einer Rhapsodie eine Art Puzzle, assoziativ gibt es auch Vor- und Rückblenden.

 

Umschlag und Illustrationen: Luca Schenardi, Luzern

Layout und Satz: Hi Visuelle Gestaltung Zumstein & Barandun (Carla Crameri), Luzern.

 

Das Buch erhielt FÖRDERBEITRÄGE der:

Schindler Kulturstiftung

Kulturförderung Kanton Nidwalden

Kulturkommission Hergiswil Nidwalden

 

«041-Das Kulturmagazin» setzte «Aus der Versenkung» auf Platz 1 in der Sparte Literatur der besten Kulturbeiträge der Zentralschweiz 2014.

 

Zu Rezensionen, Berichten von Anlässen.

 

Erich Hirtler, Aus der Versenkung, Rodion, Hergiswil 2014 (286 Seiten). Fr. 30.-

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